Sunday, January 22, 2017

Kärntner Reindling {Sonntagskuchen}

Mein erster Sonntagskuchen in diesem Jahr, und überhaupt mein erster seit ziemlich langer Zeit!


Ich muss zugeben, ich bin ja ein großer Fan von Einkaufslisten, Wochenkochplänen und generell Listen aller Art. Deshalb überlege ich mir gegen Ende jeder Woche konkret, was ich mal wieder kochen könnte oder was ich gerne mal neu ausprobieren würde, schreibe mir eine detaillierte Einkaufsliste und halte mich meist auch ziemlich genau daran.
Dass ich aber auch gerne mal wieder diesen oder jenen Kuchen backen würde, entgeht mir bei meiner peniblen Planung meistens, und dann fällt mir am Samstagabend ein, dass ich ja eigentlich etwas backen wollte und dafür noch dieses oder jenes gebraucht hätte, wenn alle Geschäfte schon geschlossen sind.
  
Letztens bin ich auf www.rezeptebuch.com mal wieder über einen Reindling gestolpert und habe beschlossen, dass es nach fast 10 Jahren als Wahlösterreicherin jetzt doch mal langsam Zeit wird, dass ich selbst einen backe. Man könnte also meinen, dass ich diesmal beim Einkaufsliste-Schreiben tatsächlich daran gedacht und entsprechend eingekauft habe... Pustekuchen – ich habe natürlich wieder vergessen.
Dass ich euch jetzt doch das erfolgreiche Resultat hier präsentieren kann, liegt nur daran, dass ich glücklicherweise noch einige Backzutaten von einer Kekse-Back-Session vor Weihnachten übrig hatte.

Der Reindling ist in Kärnten auch eine traditionelle Osterspeise und wird dort in einer etwas weniger süß zubereiteten Version zu Ostern mit Osterschinken, Eiern, Kren, etc. gegessen. Seinen Namen hat er von seiner Zubereitung in einem “Reindl”, einem eher weiten, flachen Topf also. Alternativ – so wie mein Reindling auch – wird er häufig auch in einer Gugelhupf- oder Napfkuchenform zubereitet. Auf die Wellenformen im Reindling muss man dann zwar leider verzichten (im Reindl wird er in einer Schneckenform arrangiert, die nachher beim Anschneiden ein hübsches Muster ergibt), aber am Geschmack ändert die Form zum Glück ja nichts!

Ganz entscheidend für das Geschmack bzw. das Gelingen ist aber die Temperatur der Zutaten. Alle Zutaten solltet ihr schon eine Weile (mind. 1-2 Stunden) vor der Zubereitung aus dem Kühlschrank nehmen, damit sie Raumtemperatur annehmen können. Sind die Zutaten zu kalt oder haben unterschiedliche Temperatur, bekommt der Teig nicht die Konsistenz, die er sollte, und geht auch nicht so schön auf.
Genauso entscheidend ist die Knetzeit – der Teig sollte eine ganze Weile geknetet werden, bis er schön glatt ist und sich vollständig von der Schüsselwand löst...und danach gerne noch ein bisschen weiter. Wie auch bei der Zubereitung von Brioches macht es tatsächlich einen großen Unterschied, ob man den Teig nur kurz oder lange (mind. 10 Minuten) knetet.




Beim Rezept habe ich mich übrigens an dem von Lisa von www.soulfood-blog.at orientiert – nur bei der Füllung habe ich die Mengen der Walnüsse und Rosinen etwas erhöht, weil es mir sonst einfach zu wenig gewesen wäre.

Zutaten
Teig
500 g Mehl, universal
100 g Puderzucker
1 Päck. Vanillezucker
1 Päck. Trockenhefe
Schale von ½ Zitrone
1 Ei
100 g Butter

250 ml Milch + 2 EL zum Betreichen
Füllung
70 g Butter
2 EL Honig (ca. 40 g)
2 EL Zucker
100 g Walnüsse, gehackt
100 g Rosinen
Zimt

Zubereitung
Alle trockenen Zutaten mischen. Butter in einem Topf langsam schmelzen (nicht zu heiß werden lassen, nur so lange erhitzen, dass die Butter gerade so flüssig ist), Milch dazugießen und das Ei unterrühren.
Die laufwarme Flüssigkeit zu den trockenen Zutaten geben und so lange unterkneten (mit den Knethaken des Handrührgeräts oder in einer Küchenmaschine), bis ein glatter Teig entstanden ist – danach wie oben erwähnt am besten noch eine Weile (von Hand) weiterkneten.
Jetzt muss der Teig an einem warmen Ort gehen, bis sich das volumen verdoppelt hat, z.B. im Backofen bei eingeschaltetem Licht oder auf der Fensterbank – oder einfach bei Raumtemperatur, da dauert es evtl. etwas länger.
Anschließend den Teig nochmal durchkneten und ca. 1cm dick zu einem Rechteck ausrollen (geht gut auf Backpapier, ansonsten auf einer gut bemehlten Unterlage). Zerlassene Butter mit Honig mischen und auf den Teig streichen, mit gehackten Walnüssen, Zucker, Rosinen und Zimt nach Geschmack bestreuen.
Den Teig entlang der längeren Seite aufrollen und in eine gut eingefettete und gemehlte Guglhupfform legen. In der Form nochmal etwas aufgehen lassen (bei mir ca. 30 Minuten), mit Milch betreichen und bei 160°C Umluft ca. 35 Minuten backen.
Etwas auskühlen lassen, bevor ihr den Kuchen aus der Form stürzt und vor dem Servieren noch mit Puderzucker bestreuen.

Tipp: Reste, die schon ein bisschen trocken geworden sind, schmecken übrigens super als arme Ritter!